Monate: Mai 2011

[REZENSION] Sarah Baines: »Die Spur der Wölfin«

Sarah Baines Die Spur der Wölfin Ullstein 1. Auflage, August 2007 Taschenbuch Seiten: 336 ISBN: 978-3-548-26736-4 Eigentlich ist Laura eine bodenständige junge Frau. Sie lebt und studiert als Deutsche in New Orleans, um ihre Zukunft scheint sie sich keine Sorgen machen zu müssen. Alles ist in bester Ordnung – bis sie eines Nachts nach Hause kommt und ihre Gasteltern ermordet auffindet. Für die Polizei sieht es nach dem Angriff eines wilden Tieres aus, doch Laura zweifelt. Zu viele Fragen sind noch offen: Warum sollte ein Tier das tun? Was hat Patrick, bei dem sie Unterschlupf gefunden hat, mit der ganzen Sache zu tun? Und seit wann ist sie bereit, an Werwölfe zu glauben? Zuerst war ich etwas enttäuscht, als ich das Buch in Händen hielt und den Klappentext las, denn in der kurzen Inhaltsangabe im Katalog hatte zwar etwas von Wölfen gestanden, nicht jedoch von Werwölfen, die ich eigentlich gar nicht mag. Trotz eines Kopfschüttelns hier und da aufgrund einzelner Sätze habe ich am Ende nicht bereut, das Buch dennoch gelesen zu haben. Der Anfang …

[REZENSION] Jean-Louis Fournier: »Wo fahren wir hin, Papa?«

Jean-Louis Fournier Wo fahren wir hin, Papa? Originaltitel: Où on va, papa? dtv 1. Auflage, November 2009 Broschiert Seiten: 155 ISBN: 978-3-423-24745-0 Wie gern hätte der Vater seinen Söhnen »Tim und Struppi« geschenkt, doch leider können sie nicht lesen. Wie gern wäre er mit ihnen auf Berge geklettert, hätte mit ihnen Musik gemacht, Volleyball gespielt, doch sie werden für den Rest ihres Lebens mit Holzklötzen spielen. Sie werden niemals die normalen Kinder sein, die er sich so sehr wünscht. Einen Vater ereilt das Schicksal, ein behindertes Kind in die Welt gesetzt zu haben. Unter großen Mühen findet er sich damit ab und stellt sich den enormen Herausforderungen im Alltagsleben. Doch kann das Schicksal so grausam sein und ein zweites Mal zuschlagen? Es kann. Auch der zweite Sohn kommt mit denselben Behinderungen auf die Welt. In kleinen Episoden erzählt der Autor aus dem Leben des Vaters mit seinen behinderten Söhnen und wie er fast daran zerbricht. Über behinderte Kinder zu reden, ist oft ein Tabu. Umso überraschender ist es, wie der betroffene Vater erzählt: mit einem …

[REZENSION] David Safier: »Mieses Karma«

David Safier Mieses Karma Rowohlt 1. Auflage, 2008 Taschenbuch Seiten: 282 ISBN: 978-3-499-24455-1 »Der Tag, an dem ich starb, hat nicht wirklich Spaß gemacht.« Die Moderatorin Kim Lange hat sich auf der Karriereleiter nach oben geboxt und erlebt nun den Tag des Triumphes: Sie gewinnt den Deutschen Fernsehpreis. Blöd nur, dass sie noch am selben Abend von den Trümmern einer herabstürzenden Raumstation erschlagen wird. Im Jenseits trifft sie auf Buddha, der ihr erklärt, dass sie in ihrem Leben zu viel mieses Karma gesammelt hat – und bekommt prompt die Quittung dafür. Kim findet sich in einem Erdloch wieder, hat zwei Fühler, sechs Beine und einen überproportional großen Hintern: Sie ist eine Ameise! Kim hat wenig Lust, fortan Kuchenkrümel durch die Gegend zu schleppen. Außerdem kann sie nicht zulassen, dass ihr Mann sich mit einer Neuen tröstet und ihre Tochter eine andere Frau »Mama« nennt. Doch als Ameise ist sie machtlos. Es gibt nur einen Ausweg: Gutes Karma muss her, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder aufwärts geht! Wer Fernsehserien wie »Nikola« oder »Mein Leben und …

[REZENSION] Anna Gavalda: »Zusammen ist man weniger allein«

Anna Gavalda Zusammen ist man weniger allein Originaltitel: Edward’s Eyes Hanser 1. Auflage, 2010 Hardcover Seiten: 91 ISBN: 978-3-446-23589-2 Eine verrückte Wohngemeinschaft am Fuß des Eifelturms. Vier grundverschiedene Menschen wagen einen Neubeginn: Camille (26) ist belesen, künstlerisch begabt, beängstigend dürr und arbeitet nachts in einer Putzkolonne, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Philibert (36) ist der letzte Spross eines verarmten Adelsgeschlechts – er kann die Geschichte der französischen Könige im Schlaf hersagen, stottert aber erbärmlich, wenn er vor einer Frau steht. Er verkauft Postkarten in einem Museum und hütet vorübergehend eine riesige Wohnung voller alter Bilder und Möbel. Franck (34) schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal und braucht sein bisschen Freizeit für Mädchen, Motorräder und seine Großmutter Paulette (86), die sich vehement dagegen wehrt, in ein Altersheim abgeschoben zu werden. Eine bewegende Geschichte über vier völlig verschiedene Menschen, die sich gegenseitig wieder aufbauen und aus dem Schlamassel ziehen. Anna Gavalda erzählt mit viel Witz und Gefühl, der Leser verfolgt die Entwicklung der Charaktere, erlebt tiefsinnige Dialoge und Szenen, in denen man sich ein Schmunzeln nur schwer …

[REZENSION] Valérie Zenatti: »Leihst du mir deinen Blick«

Valérie Zenatti Leihst du mir deinen Blick? Originaltitel: Une bouteille dans la mer de Gaza dtv 3. Auflage, 2008 Taschenbuch Seiten: 191 ISBN: 978-3-423-78223-4 »Wir leben in Zeiten der Finsternis, der Trauer und des Schreckens. Die Angst ist wieder da.« Tal ist siebzehn. Sie lebt im jüdischen Teil Jerusalems. Selbstmordanschläge gehören in dieser Stadt zum traurigen Alltag. Und doch ist Tal zutiefst erschüttert, als eine Bombe in einem Café ganz in der Nähe ihres Hauses explodiert. Warum nur findet der Hass zwischen Israel und Palästina kein Ende? Tal quälen Gedanken und Fragen, denn auch wenn das Attentat ihren Körper unbeschadet gelassen hat, in ihrem Kopf »ist alles in tausend Scherben zersplittert«. Und obwohl sie weiß, dass es sinnlos ist, schreibt sie einen langen Brief – über sich, ihre Hoffnungen und Träume – und steckt ihn in eine Flasche. Ihr Bruder, der im Gazastreifen stationiert ist, soll die Flaschenpost dort ins Meer werfen. Und tatsächlich – nach langem Warten bekommt sie eine E-Mail vom zwanzigjährigen »Gazaman«, der im Gazastreifen – »auf der anderen Seite« – lebt. …

[REZENSION] Eva Berberich: »Das Glück ist eine Katze/Alles für den Kater«

Eva Berberich Alles für den Kater Das Glück ist eine Katze Weltbild 1. Auflage, 2007 Hardcover Seiten: 91 ISBN: 978-3-828-98630-5 Bei dtv sind die Romane getrennt als Taschenbücher erschienen. Alles für den Kater Mit lautem Scheppern tritt oder vielmehr springt Kater Mephistopheles ins Leben der Erzählerin und von da an ist es mit ihrer Ruhe vorbei. Kein Blumentopf, kein Sofakissen, keine frisch gebügelte Bluse ist vor Stoffele, wie sie ihn nennen darf, sicher. Zum Glück kann er sprechen, sodass einer höchst gebildeten, manchmal ernsthaften, manchmal vergnüglichen Konversation nichts im Wege steht. Beide erklären sich gegenseitig die Welt. Und natürlich erweist Stoffele sich als waschechter Kater: stolz, eitel, streichelsüchtig und ein bisschen wehleidig. Das Glück ist eine Katze »Eine anständige Katze ignoriert grundsätzlich alles, was auch nur entfernt nach einem Befehl klingt.« Die Erzählerin weiß, wovon sie spricht, ist doch die Katze, die ihr da in einer Schachtel vor die Haustür gelegt wird, nicht ihre erste. Ein rotgetigertes, grünäugiges Etwas blickt ihr erwartungsvoll entgegen. Dieser kleinen Katze kann auf Dauer niemand widerstehen. Zu überzeugend sind ihre Ansichten …

[REZENSION] Khaled Hosseini: »Drachenläufer«

Khaled Hosseini Drachenläufer Originaltitel: The Kite Runner Berliner Taschenbuch Verlag Taschenbuch Seiten: 385 ISBN: 978-3-833-30149-0 Afghanistan 1975: In Kabul wächst der zwölfjährige Amir als Sohn eines wohlhabenden Paschtunen auf. Um seinem Vater seine Stärke zu beweisen, will er einen Wettkampf im Drachensteigen gewinnen, doch dazu braucht er die Hilfe seines besten Freundes Hassan, Sohn des Hausdieners. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet die beiden Jungen eine innige Freundschaft, die allen Herausforderungen standhält. Denn wenn es einen Menschen gibt, vom dem Amir sich bedingungslos geliebt weiß, dann ist es Hassan, der wie er mutterlos aufwächst. Viele Stunden verbringen die Jungen gemeinsam, erleben Abenteuer, vereint in den Geschichten, die sie lieben. Wenn Amir von den Jungen der Straße gehänselt wird, steht Hassan für den furchtsamen Freund ein: »Für dich, tausendmal.« Bis Amir die Freundschaft auf schreckliche Weise verrät. Seine Tat verändert das Leben beider dramatisch, ihre Wege trennen sich, während das Land seiner Zerstörung entgegengeht. Amir und sein Vater fliehen aus Afghanistan und bauen sich in Amerika ein neues Leben auf. Erst viele Jahre später kehrt der erwachsene …

[REZENSION] Daniel Kehlmann: »Ruhm«

Daniel Kehlmann Ruhm Rowohlt 1. Auflage, 2009 Hardcover Seiten: 202 ISBN: 978-3-498-03543-6 Ein Techniker spielt Schicksal, als er auf seinem neuen Handy Anrufe erhält, die für einen Anderen bestimmt sind. Ein weltberühmter Schauspieler flüchtet sich in die Rolle seines eigenen Doppelgängers. Eine Romanfigur fleht ihren Autoren an, sie nicht in den Tod zu schicken. Ein Roman ohne Hauptfigur. Scheinbar ohne roten Faden. »Ruhm« ist ein Roman in neun Geschichten. Jede, mit Ausnahme der letzten, kann für sich gelesen werden und doch geben sie ein großes Ganzes, denn ohne es zu wissen, sind alle Figuren miteinander verbunden. Hauptakteure einer Geschichte tauchen anderswo als Randgestalten wieder auf, die Handlungen der einen bestimmen den Ablauf der anderen. Insgesamt strickt Daniel Kehlmann ein komplexes Puzzle aus Fiktion und Realität und zeigt damit vor allem eines auf: Dank moderner Technik erfinden und verlieren wir uns gleichzeitig in unendlich vielen Parallelwelten, ohne dass wir dabei die Summe dieser Welten noch fassen können. Doch auch wer sich über den tieferen Sinn des Buches und des Titels weniger Gedanken machen will, kommt durch …

[REZENSION] Jennifer McMahon: »Das Mädchen im Wald«

Jennifer McMahon Das Mädchen im Wald Weltbild 1. Auflage, 2008 Hardcover Seiten: 320 ISBN: 978-3-828-99163-7 Nach über zwanzig Jahren kehrt Kate zum ersten Mal in ihr Heimatdorf Vermont in Massachusetts zurück. Als kurz darauf ein Mord an einem jungen Mädchen geschieht, muss Kate ein Trauma ihrer Kindheit erneut durchleben: Denn die Umstände der Tat erinnern an den Mord vor dreißig Jahren an Del, Kates bester Freundin. Hat man den Falschen für den Mord büßen lassen? Kate, die sich nach wie vor schuldig an Dels Tod fühlt, nimmt die Spur des Mörders auf. Doch jemand scheint dasselbe Interesse zu haben wie sie. Und im Dorf glaubt man schon lange, dass es Del selbst ist, die Rache für ihren Tod fordert. Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Autorin schreibt einfach und verständlich, gewürzt mit einer Prise Spannung und einem kleinen bisschen Humor. Besonders ans Herz gewachsen ist mir die Figur der kleinen Opal, die einfach süß war, und ich habe wirklich bis zur letzten Zeile mitgefiebert. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch für …